Der Bachelor
aus der neuen Reihe Wirtschaftswetter guckt TV
Gestern war RTL-Spässkenabend und wir Zuschauer durften uns daran ergötzen wie gut oder schlecht junge Gesangstalente sich zum wiederholten Male auf einer Bühne abmühten. Dazwischen wurde eine andere Gaudi geboten, und zwar "der Bachelor", in Form eines gutaussehenden, jungen und natürlich erfolgreichen Mannes, der aus 25 Kandidatinnen eine Dame für die Ehe auswählen möchte.
Erheiternd aufrichtig äußerte sich der junge Mann zu seinen Zielen für diese Show, er möchte vor allem eine Schwiegertochter und Schwägerin nach Hause mitbringen, also offenbar weniger für eigene Zwecke.
Als ob das nicht schon witzig genug war, zählte die Mutter die wunderbaren Studienabschluss-Trophäen ihres Sohnes voller Stolz auf. Dagegen waren dann die Ausbildungen und Berufe, die die Damen betrieben, mit ein paar Ausnahmen (z. B. fielen eine Eventmanagerin und eine Schornsteinfegerin aus der üblichen Berufsreihe) nicht annähernd so erfolgreich oder gar spannend.
Da drängt sich dem Zuschauer die Frage auf: Wie sollen die denn zusammenpassen???
Der alte Aschenputtel-Traum, aus einem langweiligen Berufsleben für immer verabschieden, sämtliche Verantwortung abgeben und Geld wie Heu,oder? Gilt das wirklich auch noch heute? Die Eventmanagerin sah wenigstens noch danach aus, also ob sie denken kann, Show hin oder her. Aber das ist ja auch ihr Job.
Die Damen äußerten sich auch ganz freimütig, worin sie zukünftig ihre Hauptaufgabe sehen, nämlich viele Kinder zu produzieren. Vielleicht wurde diese Show gar von der Bundesregierung gesponsort, auf der Suche nach Methoden, mehr Kinder für die leeren Sozialkassen anzuregen? Wenigsten braucht man dazu keine Ausbildung und das Thema Arbeit war eh keins, jedenfalls kein großes auf der Damenseite und zumindest nicht in der Sendung. Bei allem Verständnis für die legitime Suche nach der großen Liebe, funktioniert das wirklich per Fernseh-Kuppelshow? Und die Folgen? Sie verbringt ihr Leben mit Schwiegermutter und Schwägerin und er schuftet? Wer kann da einem mehr leid tun? Auf mich persönlich machte vor allem der zukünftige Schwiegervater einen etwas geknickten Eindruck. Vielleicht war es der einzige, dem schwante, dass die Aktion etwas peinlich werden könnte. Auf der anderen Seite ist es doch schon sehr amüsant und erstaunlich, wie schnell diese berufstätigen Frauen alles über Bord schmeißen, um in Zukunft hauptsächlich der Familie zu frönen, zudem einer, die sie noch nicht einmal kennen. Das große unbekannte Glück, wie immer es auch in der Realität aussehen mag, es scheint eine unheimliche Sogwirkung zu haben.
Spannend war auch die Takelage in Stöckelschuh und Abendkleid mit manch imponierendem Dekoltee und Farben zum Augenreiben. Die Aufdringlichkeit mancher Kandidatinnen, wie sie ihre Vorteile "an den Mann" brachten, war ebenso lustig wie beschämend. Was unterscheidet Frauen von Männern? Diese Baggerei, an Hand derer sich einige in den Vordergrund schoben, wo es nur ging und damit einen gewissen Grad der unfreiwilligen Komik zu praktizieren, das kannte man bisher eher vom anderen Geschlecht, oder? Der Mann der RTL-Stunde wählt auch unter Showgesichtspunkten aus, und wir dürfen gespannt sein, wie sich die Kandidatinnen in den nächsten sechs Wochen in noch viel zweifelhaftere Situationen bringen werden, bei der es nur eine Gewinnerin gibt: den Zuschauer, der sich mehr oder weniger gut unterhalten fühlt.
Das ist wohl der Sinn und Zweck dieser Veranstaltungen. Der Zuschauer amüsiert sich darüber, wie peinlich manche und vor allem a-n-d-e-r-e Leute sind. Der Effekt: Man fühlt sich wundbar normal und ist froh, man selbst zu sein und nicht so ulkig wie die Protagonisten dieser Show. Wir saßen jedenfalls gut unterhalten vor dem TV und amüsierten uns vortrefflich. Als Mr. Blueeye wiederholt fragte:" Möchtest du diese Rose?", konnten wir uns nach dem fünften Mal gar nicht mehr einkriegen. Alles in allem, ein gelungener Abend. Ob der Effekt anhält oder genauso schnell wieder nachlässt, wie man an der Wiederauflage von DSDS(Deutschland sucht den Superstar) gerade feststellen kann, entscheidet sich an der Frage, wie gestaltbar ein Format in sich ist. Dasselbe in Reihe funktioniert nicht mehr.
Entsprechend modifiziert soll es demnächst noch eine Show geben, in der eine Frau auswählen darf und irgendwie beruht das Ganze doch auf der Urmutter allen Partnerwahlspässken, nämlich Herzblatt. Und soweit es richtig sein sollte, wofür wir allerdings keinerlei Garantie auf den Wahrheitsgehalt abgeben(!), wurde die Idee seinerzeit in Amsterdam erfunden. Und schon damals war klar: Hier gehts vor allem um eine Gaudi für das Publikum, jedenfalls war genau das die Ursprungsidee. Jungesellenversteigerungen, wie sie auf dem Land öfter praktiziert werden, sind eine ähnliche Geschichte und sorgen für viel Heiterkeit. Nun sind wir ganz gespannt, wann es die erste TV-Show geben wird, in der Zuschauerinnen einen Jungesellen live ersteigern können. Was meinen Sie, was das für Einschaltquoten gäbe?
2003-11-23 © all rights reserved Angelika Petrich-Hornetz für
© 2003-2006 Angelika Petrich-Hornetz Wirtschaftswetter Online-Zeitschrift
Wirtschaftswetter.de
zurück zu Lifestyle