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Malaga im März

Reisetipp für den Frühling
von Angelika Petrich-Hornetz

Frauenmantel, Öl auf Leinwand, Atelier Stilbrücher Barbara KümpelIm Frühjahr ist es kalt in Deutschland, manchmal sogar noch sehr kalt. Was muntert mehr auf, als sich warme Gedanken zu machen und Reisepläne zu schmieden? Während wir uns noch monatelang in vier Wände verkriechen müssen, ist es in einer Gegend in Europa bereits im Vorfrühling warm und sonnig. Selbst wer nur einmal ein paar Tage aus dem nordeuropäischen Kühlschrank flüchten kann, der hält den Rest der Wintermatschzeit einfach viel besser aus. Nicht weit weg und besonders schön ist im März Südspanien. Darum empfiehlt das Wirtschaftswetter eine Reise an die Costa del Sol mit einem Kunstausflug nach Malaga.

Durch die Berge geschützt bleibt hier auch der Winter mild. Die Reisezeit im Frühjahr und Frühling ist vor allem für Menschen ohne Kinder oder mit noch nicht schulpflichtigen Kindern, sowie von Nestflüchtigen verlassenen Eltern attraktiv, weil die Küste dann längst nicht so überlaufen ist wie mit Beginn der Feriensaison. Das Klima ist i.d.R. sanft und angenehmer, als die sommerliche Hitze und daher unbedingt auch für ältere Urlauber empfehlenswert. Im März kann man mit Temperaturen um die zwanzig Grad rechnen, manchmal sogar mehr und es duftet und blüht überall. Beileibe gibt es noch mehr Gründe, um im Frühling in den Süden Spaniens zu fahren als das angenehme Klima. Kaum verlässt man die Küste findet man im Landesinneren viel Sehenswertes. Die ausgedehnten Naturschutzgebiete, in denen man wandern kann, durch fruchtbare Täler und karge Sierras, entlang von Schluchten und Flüssen; Oleander, Hibiskus wo man hinschaut. Durch die Nähe von Bergen und Meer bietet die Costa del Sol eben viel mehr als nur einen schönen Badeurlaub. Die die Küche ist ein Kapitel für sich: lecker, mediterran und gesund! Von edlem Olivenöl, Fischgerichten und Süßspeisen kann man schwärmen oder: Fahren Sie hin und selbst kosten, es lohnt sich!

Malaga, die andalusische Haupt- und Hafenstadt, von den Phöniziern gegründet, von den Römern zu einer Stadt mit Rang und Namen gemacht und von den Mauren im 8. Jahrhundert erobert, ist eine der ältesten europäischen Städte überhaupt. Der Kulturreisende, der Kunstfreund und der Feinschmecker kommen hier auf ihre Kosten. Neben der Alcazaba, dem Königspalast der Mauren, die heute das archäologische Museum enthält und den berühmten Gartenanlagen, ist die in der Nachbarschaft gelegene Kalifenfestung Castillo de Gebralfaro, dem man ebenfalls phönizischen Ursprung nachsagt, sehenswert. Die Kathedrale, von den katholischen Eroberern auf der ehemaligen Moschee erbaut, stellt ebenfalls ein Muss für den historisch interessierten Reisenden dar. Neben weiteren schönen Kirchen wie die gotische La Iglesia del Sagrario, im 15. Jahrhundert erbaut und die berocke Santuario de la Virgen de la Victoria, findet man in der Altsstadt von Malaga das Geburtshaus Picassos. Wenige Schritte davon entfernt, ehrte die Geburtsstadt ihren berühmtesten Mitbürger erst im letzten Jahr mit einem Museum, dem "Museo Pablo Ruiz Picasso". Wer sich nicht von maurischer und katholischer Geschichte beeindrucken lassen will, der sollte sich von diesem Museum verführen lassen, obwohl auch eine Ajo Blanco , eine für die Gegend typische Gazpacho (kalte Suppe) selbstverständlich allein schon eine Reise wert ist. Von Malaga aus, können Sie zudem die ganze Schönheit der Costa del Sol und des Hinterlandes erkunden, einer Gegend, in der es , wie oben gesagt, viel zu entdecken gibt. Da Malaga einen eigenen Flughafen hat, ist die Anreise unkompliziert.

Bereits in jungen Jahren plante Picasso, der seit seinem 23. Lebensjahr in Frankreich lebte, und bis zu seinem Tod Spanien wegen Franko nicht mehr betrat, selbst ein Museum in seiner Geburtsstadt. Das Franko-Regime verhinderte genau dies. 30 überfällige Jahre nach seinem Tod im Oktober 2003 öffnete das Museum endlich seine Pforten, die dritte Ausstellung neben Madrid und Paris. Möglich machte das Museum seine Schwiegertochter, Christine Ruiz-Picasso, und deren Sohn, Bernard Ruiz-Picasso, die zusammen 155 Werke der 204 Werke umfassenden Dauerausstellung zur Verfügung stellten sowie weitere 49 ebenfalls kostenlos für zehn Jahre an diese verliehen. Der Wert der Ausstellung, eigentlich nicht zu ermitteln, wird auf ungefähre 176 Millionen Euro geschätzt. Zu sehen sind Zeichnungen, Keramiken und Skulpturen von der blauen Periode bis kurz vor seinem Tod. Die Werke zeigen Picasso von seiner privatesten Seite, denn vieles davon hat die Öffentlichkeit vor der Eröffnung des Museums noch nie gesehen. Weiterhin wird es temporäre Ausstellungen geben, und Platz genug ist vorhanden:

Untergebracht ist das Museum nämlich auf ausdrücklichen Wunsch von Frau Ruiz-Picasso im umgebauten Buenavista-Palast, einem Herrenhaus aus dem 16. Jh. und in den umliegenden Gebäuden. Von der Architektur her passt es wunderbar und die Nähe zur Alcazaha sowie dem römischen Theater geben einem Besuch ein besonderes Flair. Außer den zwölf Sälen der Dauerauststellung, beherbergen die insgesamt über achtausend Quadratmeter eine Veranstaltungshalle, weitere vier Säle, eine Bibliothek, ein Schulungs- sowie ein Forschungszentrum. Die Absicht, hier ein lebendiges Zentrum für Kunst und Kultur zu erschaffen, nicht nur lediglich einen Platz für eine Ausstellung, wird damit sehr deutlich.

„Guernica“, das weltweit bekannteste Picasso-Gemälde und DAS Mahnmal gegen den Krieg, damals gleichzeitig Vorschau auf die Schrecken des zweiten Weltkriegs und Zeugnis der Bombardierung der baskischen Stadt Guernica, die als Anlass des spanischen Bürgerkriegs gilt, sehen Sie dagegen in Madrid, im Museo Nacional del Prado.

In diesem Bild erkannte übrigens die weltbekannte Psychotherapeutin Alice Miller einen Zusammenhang mit dem verheerenden Erdbeben 1883 in Malaga, welches der dreijährige Picasso miterleben musste. Ausgerechnet am 1. Weihnachtfeiertag wurde die Stadt erschüttert und wer genau hinschaut, der kann sich beim Anblick von Guernica tatsächlich nicht des Eindrucks erwehren, als hätte der Künstler das Chaos tief nachempfunden, welches vielleicht seit dem Erdbeben in seiner Seele vergraben war und in der Bombardierung von Geuernica seine Entsprechung und seinen Anlass fand wiederaufzuerstehen, als ewiges Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung. In Paris hingegen sind die frühen Jahre von Picasso zu sehen, und darum gilt Malaga mit seinen intimeren Werken als das, was bisher von dem großen Künstler schlicht noch fehlte und der kunstinteressierten Öffentlichkeit mit der Spende von Ruiz-Picasso nun endlich zugänglich gemacht werden kann.

Und wenn Sie Geschmack daran gefunden haben, das neue Picasso-Museum zu besuchen , dann denken Sie vielleicht sogar einmal über eine Kunst-Reise durch ganz Spanien nach, denn dieses Land hat in der Tat viel mehr zu bieten, als Strand, Sonne und Meer und gerade im Frühjahr kann eine solche Reise besonders reizvoll sein. Es hindert Sie niemand daran, ihre Reise mit einem Badeurlaub abzuschließen und zu gehen, bevor es zu voll wird. Wer die Hitze verträgt, besucht sogar Madrid im Sommer: dann flüchten die Madrider ans Meer, die Stadt liegt ihnen zu Füßen. Ein Tipp, den man sich auch für andere Städte merken kann: Wenn alle anderen am Strand braten, haben Sie die Museen und das Gastronomie-Personal für sich.

Weitere Infos: Picasso Museum in Malaga

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2004-01-13 by Angelika Petrich-Hornetz
Text; © all rights reserved Angelika Petrich-Hornetz
Bild: © all rights reserved Barbara Kümpel

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