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Lichtmond im Berliner 3D-Innovationszentrum

Wenn der Lichtmond die Flugfische in die dritte Dimension schickt ...
Im neuen Berliner 3D-Innovationszentrum werden räumliche Visualisierungs- und Ton-Ideen gesammelt, zusammengebracht und mit allen Sinnen erlebt
von Annegret Kempf

Von diesem Herbst an kommen am Berliner Salzufer im 3D-Innovationszentrum auf 600 Quadratmetern alle Glieder der 3D-Produktionskette zusammen, um Prototypen und Ideen zu präsentieren, mit Inhalten zu laborieren und scheinbar spielerisch neue Projekte und Standards zu entwickeln. Für fünf Jahre soll es vom Heinrich-Hertz-Institut (HHI) des Fraunhofer Instituts betrieben werden.

Lichtmond-SoundBesonders attraktiv ist das Zentrum mit Studio, Testlabor, Show- und Kommunikationsbereich für kreative Akteure, da sie vor Ort weitere Plattformen und Labore, wie das schon bestehende HHI-TiME-Lab nutzen können, das nun auch Künstlern, wie den Produzenten von „Lichtmond“ zugute kommt.

„Schlecht produzierte 3D-TV-Inhalte schaden dem dreidimensionalen Fernsehen", warnt Dietrich Westerkamp, Vorstandsmitglied der Deutschen TV-Plattform.

Die weltweit erste Animations-Musik-Blu-Ray in echtem 3D „Lichtmond“ ist genau das Gegenteil davon: Wie ein Aroma-Entspannungsbad bereit zum Eintauchen erwartet sie den Zuschauer und –hörer. Dabei wird man in die „Earth 2“ hineingezogen, die von zwei Sonnen umkreist wird und deren spezielle Gravitationskräfte dafür sorgen, dass in ihr Bäume schweben, in einer Welt voll fremdartiger Flugfische, blasenartiger Vulkane, surrealer Gebilde, Stone Hedge-ähnlicher Umgebungen und von Menschen unberührter Ober- und Unterwasserwelten, erhellt vom weißen Lichtmond.

Giorgio und Martin Koppehele, die ihre Faszination für Musik und Elektronik seit Kinderzeiten ausleben, haben zusammen mit dem spanischen Animationsteam Diego M. Bonati, Imgao-D Studios, eine Parallelwelt für Lichtmond 1 geschaffen, durch die sich die 3D-Zuschauer unbeschwert bewegen und die durch den wirkungsvoll eingesetzten Bass auf der musikalischen Seite sogar sinnlich fühlbar wird. Atmosphärische Ambient-Pop-Music, manches davon sogar mit Ohrwurmcharakter, wird begleitet von sonor vorgetragener Lyrik, die Seele und Hirn anspricht.

Ein volles Jahr investierten die Brüder aus Neufahrn in die faszinierende Animation von Lichtmond. Sechs weitere Monate widmeten sie sich gemeinsam mit anderen Spezialisten den 3D-Effekten. Ähnlich lief es mit der Musik: Bei „Shine on me“ war der Song in Stereo fertig, dann musste der Surround Sound geschaffen werden. Für das Plastisch-Werden der Höhen und Tiefen wurden die Musik-Parts buchstäblich im Kreis aufgestellt, unzählige Male neu arrangiert.

Das geht auch einfacher: Für künftige Produktionen kann das HHI-TiME-Lab Rechenzeit zur Verfügung stellen, damit das dreidimensionale Visual-Erlebnis mithilfe neuester Technik ein Vollkörper-Klang umhüllt. Die dafür notwendigen modernen Anlagen sind als Anschaffung selbst für große Projekte wie Lichtmond zu teuer. Das Innovationszentrum hilft hier 3D auch akustisch in die Startlöcher. Unterhaltungs-Elektronikkonzerne, die mit der 3D-Hardware Geld verdienen wollen, unterstützen die Kreativ-Ebene als Gründungsmitglieder über das 3D-Innovationszentrum, damit die Technologie nicht baden geht. Bislang mussten die Kreateure die technologisch und finanziell großdimensionalen Probleme von 3D-Produktionen alleine lösen – was deren massenhafte Entstehung massiv bremste. Das ändert sich: Die Animation für Lichtmond 2 wird von vornherein in 3D geschaffen.

„3D ist in aller Munde und eine eigene 3D-Edition für Lichtmond war die Erfüllung eines Traums für uns“, erzählt Giorgio Koppehele. „Da wir mit unserem spanischen Animationsteam Imago-D Studios sämtliche Bildwelten für Lichtmond bereits geschaffen hatten, mussten wir das jetzt in eine faszinierende 3D-Welt transportieren. Dazu bedarf es, neben der Vision dreidimensionaler Welten, vor allem großer Rechenleistung, um eine echte, stereoskopische 3D-Version zu erschaffen. Nun wachsen manche Objekte, wie die Flugfische, förmlich aus dem 3D-TV heraus, während endlose Landschaften in einer unglaublichen plastischen Tiefe sich nach hinten erstrecken. Echtes 3D-Bild ist die perfekte Ergänzung zu den Lichtmond-Klangwelten und zeigt im Musikbereich die Möglichkeiten des kreativ Machbaren."

High-End-Präsentationsraum des HHI TiME LAB  – Tomorrow’s immersive Media Experience Lab - wird mit hochauflösender Projektionstechnik eine 180 Grad-Panorama-Projektion realisiert. 128 Lautsprecher und die IOSONO-Technik des Fraunhofer IDMT sorgen für eine realitätsnahe Multimedia-Umgebung. Partner, wie die Berliner Philharmoniker und die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, nutzen das HHI TiME LAB, um Inhalte für diese spezielle Präsentationsumgebung zu entwickeln. Kreative und technologische Pioniere, wie die Koppehele-Brüder, benötigen die Plattform für die Entwicklung neuer multimedialer Erlebnisse, speziell im Kontext 3D.

„Immersiv“, also „eintauchend“ und „Erlebnis“ sind die Schlüsselbegriffe für diese wirklich neue Umgebung, “ beschreibt HHI-Institutsleiter Hans-Joachim Grallert das LAB. „Unabhängig davon, an welcher Stelle Sie sich im Raum befinden, Sie sind immer mittendrin im Geschehen.“

Dieser Eindruck des Eintauchens in eine virtuelle Umgebung entsteht durch eine weltweit erstmals angewandte, technische Installation, bei der mehrere innovative Technologien zusammenwirken, um den Content von morgen zu entwickeln:
- 128 Lautsprecher, angeordnet im Kreis, erzeugen ein Wellenfeld, das auf der IOSONO-Technologie basiert.
- Sieben HD-Projektoren projizieren mit einer Auflösung von 7.000 x 2.000 Pixeln auf eine 180 Grad-Leinwand.
- Eine spezielle Blendtechnik lässt aus den Einzelbildern ein hochaufgelöstes Bild entstehen.
- Zur Aufnahme der Panoramabilder wurde im HHI eine spezielle Kamera entwickelt.

Erschreckend wenige Filme und andere Angebote sind bislang tatsächlich in 3D und für 3D produziert. Bewusst werden im Berliner Innovationszentrum deshalb nicht nur „trockene“ Technikträume von kommenden Tagen gezeigt. Im Mittelpunkt der „Fleischwerdung“ steht in den Ausstellungsräumen das Lichtmond 3D 7.1 und 5.1 Surround Music Full HD Animations-Spektakel „Moonlight (Lichtmond)“, das gutteils im Souterrain eines sonnenlichtverwöhnten, weißen Hauses in einer kleinen Ortschaft vor den Toren Münchens entstanden ist.

Dort wird gegenwärtig schon an Lichtmond 2 gearbeitet. Bei Auftritten auf der „Night of the Proms“ 2010 verloren sich mehrere Künstler-Kollegen und Produnzenten-Legenden, wir Martyn Ware, rettungslos in der „Earth 2“ und beschlossen, Projekte rund um Lichtmond zu initiieren oder Relax-Musik, die im Stil ein wenig an „Schiller“ erinnert, zur offenen Plattform „Lichtmond“ beizusteuern. So entstand beispielsweise gemeinsam mit Boy George der Song „Save Me“, der als Bonus-Track auf der 3D-Version von Lichtmond 1 zu hören ist. Im zugehörigen 3D-Filmausschnitt fliegen die Zuschauer mit durch die „Earth 2“, weit weg vom Alltag der Erde 1, in der sie am Ende der in drei Dimensionen und mit vielen Sinnen erlebten Lichtmond-Expedition wieder aufwachen.

Martin und Giorgio KoppeheleEigentlich möchte man mit dem Schmetterlingsfisch am Schluss in der strahlenden Eishöhle verschwinden. „Genieße jeden Augenblick, denn manchmal währt es kurz, das Glück“, endet die visuell-musikmalende Poesie von Lichtmond 1 in drei Dimensionen. Doch die Zukunft wartet in der Zwei-Sonnen-Earth 2 von Lichtmond 2, für die die Koppehele-Brüder gerade zusammen mit ihren spanischen Kollegen das Drehbuch schreiben. Dem magischen E-Sound-Klangteppich von Martin und Giorgio folgen die Songs und Lyriks von Suna und Gabi Koppehele. Die visuelle 3D-Welt wird um die musikalische Epik herum gebaut. Aus Ideen-Schnipseln wird mithilfe des spanischen Animations-Teams eine Phantasie-Reise. Kunst trifft Technik in Perfektion.

Eintauchen in 3D-Erlebniswelten: „Lichtmond“ zeigt im Innovationszentrum am Salzufer 6, wozu all die 3D-Schrittmacher letztlich gut sind. Es verzaubert die Besucher mit Ambient-Pop in berührendem Surround Sound, sowie mit Phantasiewelten in der dritten Dimension. Und es entwickelt seine eigenen Galaxien in den zukunftweisenden Laboratorien des Zentrums fort.

Weitere Informationen:
Fraunhofer
Lichtmond
3D-Innovation Center Berlin
Iosono 3D Sound
Deutsche TV-Plattform


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2011-11-15, Annegret Kempf
Text: © annegret.kempf@wirtschaftswetter.de
Fotos: ©Lichtmond
Fotos Banner: ©Cornelia Schaible

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