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Eineinhalb-Liter-Auto als Sportflitzer

Das Energiesparauto Loremo soll in Nordrhein-Westfalen startklar für die Serienfertigung gemacht werden

von Annegret Handel-Kempf

Flotte SchüsselUli Sommer liebt Autorennen und sportliche Karosserien. Vor 14 Jahren stellte er sich die Frage, die angesichts von Sprit-Preis-Gigantismus und Klimakatastrophe dieser Tage besonders viele Menschen umtreibt, die ohne ihren fahrbaren Untersatz im Alltag aufgeschmissen sind: Wie komme ich gut, sicher und günstig von A nach B, in einem Auto, das dennoch attraktiv aussieht?

Seither tüftelt der Ingenieur an einem effizienten Umwelt-Gefährt mit „Sex-Appeal“, dessen Optik meilenweit von plumpen Ökö-Kästen entfernt ist, und dessen schlanke Linie dafür sorgt, dass eineinhalb Liter (Bio-)Diesel auf 100 Kilometer als Energiezufuhr genügen. Das Rezept: Wie bei Rennautos Gewicht und Luftwiderstand reduzieren, um den Verbrauch zu senken und mit möglichst geringem Material- und Ressourcen-Einsatz trotzdem auf Tempo zu kommen. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Idee lässt den Sommer strahlen.

Schmusekurs mit der Straßenlage

Mit Schumi-mäßigem Fahrspaß und guter Straßenlage, verbunden mit der Ratio eines extrem sparsamen Kleinwagens, unterwegs sein – diese Vision steht bei dem 2000 von den Münchnern Gerhard Heilmaier, Stefan Ruetz und Uli Sommer gegründeten Eineinhalb-Liter-Auto-Unternehmen Loremo vor der Realisierung: 2009 soll das windschnittige Low-Resistance-Mobile (Loremo) für knapp 11.000 Euro in der bis zu 160 Stundenkilometer schnellen Standardvariante LS (Leicht und Sparsam), mit Zwei-Zylinder-Turbo-Dieselmotor. auf den Markt kommen. Mit einer Tankfüllung von 20 Litern könnte es dann beispielsweise von München bis Rom fahren. Wobei der 384 Zentimeter lange und 136 Zentimeter breite Kleinwagen in 20 Sekunden von null auf hundert Stundenkilometern beschleunigt, also keineswegs zum Bremser gegenüber anderen Kleinwagen wird.
In der Herstellung folgen, aber auf der Autobahn voraus sein, wird dem LS die GT-Version, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 220 Stundenkilometern und einem Verbrauch von 2,7 Litern 4000 Euro mehr kosten wird.

Folie statt Farbe

Die nicht selbst-tragenden Karosserie-Panels des LS sind aus leichten, wetterbeständigen und kratzfesten Thermoplasten. Eine umweltbedenkliche Lackierung wird überflüssig, da bei der Herstellung eine Folie in Wagenfarbe eingelegt wird.

Im September wird ein fahrtüchtiger Protoyp des 450 Kilogramm-Leichtgewichts Loremo LS erstmals auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt zu sehen sein: Passend zur heißen Diskussion um die Vorbild-Rolle von Autos in der aktuellen Klimaschutz-Debatte. Bereits vom 16. bis zum 20. April präsentierte sich der Eco-Sportwagen auf der Hannovermesse unter dem Motto: Sauber und umweltverträglich.

Familientaugliches Cabrio mit 20 PS

Sicherlich wird er auch ein Hingucker sein: Denn der 20-PS-Zwerg wird ausschließlich von vorne und hinten bestiegen, sogar das Lenkrad beim aufrechten Einsteigen wie in eine Badewanne weggeklappt. Seine +2-Kinder-Rücksitze sind nach hinten gewandt und können zugunsten von Stauraum weggedreht werden. Ohne großen Aufwand lässt sich der schnittige Fahrspar-Purist, mit seiner Mittelmotoranordnung und seinem niedrigen Schwerpunkt, in einen Pickup oder ein Cabrio umwandeln, was den Verzicht auf eine Ballast erhöhende Klimaanlage als Extra erleichtert.

Energiesparen und schädliche Abgase vermeiden, kann so einfach sein, sagt Loremo-Sprecherin Andrea Schaller, die sieben Jahre in der Formel Eins war. Wir machen uns das Leichtbau-Erfolgsrezept der Rennautos zueigen: Alles Belastende weglassen, wenig Masse, wenig Gewicht, wenig Energiebedarf, wenig Verbrauch, große Aerodynamik.

Sicherheit statt Seiteneinstieg

Aber wo bleibt bei soviel umweltverträglicher Leichtigkeit die Sicherheit? Der Loremo ist sehr unfallsicher, sagt Schaller. Seine Kernzelle ist eine 95 Kilogramm schwere Wanne aus Stahl, die wegen der fehlenden Türen sehr unfallstabil ist. Eine um 50 Prozent gegenüber anderen Kleinwagen größere Knautschzone, ein widerstandsfähigeres Dach, Linearzellenstruktur und eine Passagierzelle, die sich bei Frontalunfällen und seitlichen Kollisionen kaum verformen soll, werden von dem Unternehmen ebenfalls als Argumente angeführt.

Pneumatische Sitze für alle

Wenn das Konzept eines – hoffentlich - unfallsicheren Extrem-Energiesparautos, das auch noch Spaß macht, so einfach ist, warum sind andere und größere Unternehmen damit nicht längst auf den Straßen unterwegs?

Manchmal braucht es die Kleinen, um quer zu denken. Das Problem ist der Aktionär. Der lehnt so etwas ab. Es braucht länger, als bis zur nächsten Gewinn-Ausschüttung, bis man mit einem Leichtbau-Auto erfolgreich am Markt ist. Hinzu kämen der Trend zu immer mehr Elektronik und anderen Ausstattungs-Attributen in Komfort-Autos. Das Resultat? Wir drehen uns immer im Kreis, zumal in Deutschland, sagt Schaller. Eine echte Lösung im Kampf gegen Emissionen und für ausreichende Energieversorgung ist es, Gewicht zu reduzieren. Auch bei Flugzeugen wären im Interesse von Energieeffizienz beispielsweise pneumatische Sitze möglich.

Förderanträge als Hemmschuhe

Dennoch muss gerade auch eine kleine Loremo AG aufs Geld schauen und die kostenintensiven Durststrecken überwinden: Bis weitere Prototypen gebaut und getestet sind, das Fertigungskonzept steht, und das Auto serienreif und schließlich im Handel ist.

Kleine Firmen bekommen in Deutschland leider weniger Fördergelder, ist die Erfahrung von Schaller. Das liege beispielsweise bei EU-Förderungen mit daran, dass das Unternehmen ein Jahr lang jemanden beschäftigen muss, der Fragen zum Antrag beantwortet. Das ist ein irrsinniger Hemmschuh und ein bürokratisches Monster, das sich eigentlich nur Große leisten können.

Servus Bayern

Neben der Höhe der standortspezifischen Arbeits- und Produktionskosten, sind fürs Umsetzen interessanter Ideen Fördergelder entscheidend, besonders solche, die den Innovations- und Umweltgedanken huldigen. Und da hatte wohl das Land Nordrhein-Westfalen gegenüber Bayern, wo der Loremo so viele Jahre entwickelt wurde, die Nase vorne: Seit Januar ist das Unternehmen in Dorsten zuhause und in München nur noch mit einem kleinen Büro vertreten.


Während für Nordrhein-Westfalen das Kapitel Loremo gerade begonnen hat, und sich in seine Konzepte zur Förderung von Krafstoff-Spar-Technologien, sowie kleiner und mittlerer Unternehmen einfügt, ist für das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie das Thema ebenfalls noch nicht abgeschlossen: Loremo soll zu weiteren Gesprächen eingeladen werden - siehe unten, die Interviews.


Interview: "Hohe Entwicklungsrisiken und hohe Chancen"

Wirtschaftswetter: Stimmt es, dass die Loremo AG mit ihrem eineinhalb Liter-Auto nach Nordrhein-Westfalen abwanderte, weil sie in Bayern keine Fördergelder erhalten hat, um ihren Prototypen bis zur Serienreife voranzubringen?

Andreas Kersting, Pressereferent im Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen: Die Wirtschaftsförderung der Stadt Dorsten hat sich sehr intensiv um die Ansiedlung im Interkommunalen Industriepark Dorsten/Marl bemüht und bereits für die anschließende Produktion eine sechs Hektar große Fläche bereitgestellt. Das NRW-Wirtschftsministerium hat die Entwicklung der Prototypen aus dem Ziel 2-Programm, Schwerpunkt Technologie und Innovation, mit 2,3 Millionen Euro begleitet.
Die Förderentscheidung wurde durch ein Fachgutachten von Professor Wallentowitz von der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen gestützt, der bestätigte, dass das Loremo-Projekt ein sehr ambitioniertes Konzept verfolgt, das hohe Entwicklungsrisiken birgt, aber auch hohe Chancen im Erfolgsfall bietet.

Wirtschaftswetter: Ist Nordrhein-Westfalen innovationsfreudiger als andere Bundesländer, oder ist das Prozedere, das mit Förderanträgen verbunden ist, auch für kleinere Unternehmen in Ihrem Land eher tragbar?

Andreas Kersting: Die kleinen und mittleren Unternehmen sind besondere Zielpunkte des Technologie- und Innovationsprogramms des Landes.

Wirtschaftswetter: Wie viele neue Arbeitsplätze könnte das Eineinhalb-Liter-Auto NRW bringen?

Andreas Kersting: Für die Durchführung des Entwicklungsprojektes mit zunächst 13 Mitarbeitern und parallele Planung eines Werks für eine Kleinserie von 8000 Fahrzeugen pro Jahr im Industriepark Dorsten/Marl, mit dann circa 100 zusätzlichen Mitarbeitern auf sechs Hektar Fläche, hat die Loremo AG im Januar 2007 ihren Hauptsitz von München nach Dorsten verlegt.

Wirtschaftswetter: Werden in Nordrhein-Westfalen derzeit auch andere Projekte gefördert, die die baldige Serienreife verbrauchsarmer Autos zum Ziel haben?

Andreas Kersting: Das NRW-Wirtschaftsministerium unterstützt zudem noch das „Kompetenznetzwerk Kraftstoffe und Antriebe der Zukunft NRW".
Das „Kompetenz-Netzwerk Kraftstoffe der Zukunft und Antriebe der Zukunft NRW“ bietet für die Akteure aus Forschung, Produktion und Dienstleistung eine Informations- und Kommunikations-Plattform. Zudem unterstützt das Netzwerk die Internationalisierung durch Messeauftritte, baut Kontakte zu verwandten Initiativen auf und bietet eine Ansiedlungsberatung an.
Einen Schwerpunkt des Netzwerkes bis zum Jahr 2010 bilden technische Innovationen, mit denen der Kraftstoffverbrauch reduziert und der Kraftstoffmix optimiert werden kann. Dabei spielt die Effizienzsteigerung bei Diesel- und Ottomotoren eine zentrale Rolle. Marktpotenziale liegen aber auch in der Nutzung von Erdgas und von Biokraftstoffen, wie Biodiesel und Bioethanol, die insbesondere auch als Beimischungen von Bedeutung sind. Die so genannte „EU-Biokraftstoffrichtlinie“ sieht eine Steigerung des Anteils von Biokraftstoffen an allen verkauften Kraftstoffen auf 5,75 Prozent für das Jahr 2010 vor. Darüber hinaus werden bis 2020 die weltweiten Kapazitäten zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe ausgebaut werden. Diese Kraftstoffe sind besonders viel versprechend, da sie sich entsprechend den Anforderungen der Motorenhersteller beispielsweise aus Erdgas oder Biomasse synthetisieren lassen.


Interview: "Loremo weitere Gespräche anbieten"

Wirtschaftswetter: Die Notwendigkeit, angesichts der aktuellen Klimaschutzbestandsaufnahmen verbrauchsarme Autos zu bauen, ist in aller Munde. Bayern ist mit seiner Hightech-Offensive einer der Innovationstreiber in Deutschland. Werden derzeit auch Projekte gefördert, die die baldige Serienreife verbrauchsarmer Autos zum Ziel haben?

Dr. Regina Otto, Pressesprecherin Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Das Bayerische Wirtschaftsministerium fördert im Rahmen seines Programms „Rationellere Energiegewinnung und –verwendung“ seit mehr als zwei Jahrzehnten auch Projekte, die der technologischen Energieoptimierung von Fahrzeugen dienen, sowie Entwicklungs- und Erprobungsprojekte neuartiger Antriebskonzepte, unter anderem im Rahmen der Wasserstoff-Initiative Bayern, zum Beispiel Brennstoffzelleneinsatz. Allein in den letzten fünf Jahren wurden etwa zwei Dutzend einschlägige Entwicklungsprojekte mit zusammen rund 29 Millionen Euro Landesmitteln gefördert. Die Palette der geförderten Projekte umfasst Themen wie zum Beispiel energieoptimierte Werkstoffe, innovative Kraftstoff-Einspritzsysteme, Bremsenergiespeicherung, Biokraftstoff-Fahrzeuge, Wasserstoff-Motor, Hybrid-Antriebe oder emissionsfreien Nahverkehrsbus mit Brennstoffzellentechnik.

Wirtschaftswetter: Ist das Prozedere, das mit Förderanträgen verbunden ist, auch für kleinere Unternehmen tragbar oder manchmal zu zeit- und kostenaufwändig?

Dr. Regina Otto: Die Bayerische Staatsregierung ist bestrebt, Förderanträge und –verfahren grundsätzlich so einfach und mittelstandsfreundlich wie möglich zu gestalten. So ist auch das Antragsverfahren auf Fördermittel aus dem „Bayerischen Programm Rationellere Energiegewinnung und –verwendung“ für kleinere Unternehmen aufgrund eines schlanken Zeit- und Kostenaufwands gut tragbar.

Wirtschaftswetter: Stimmt es, dass die Loremo AG mit ihrem eineinhalb Liter-Auto nach Nordrhein-Westfalen abwandert, weil sie in Bayern keine Fördergelder erhalten hat, um ihren Prototypen bis zur Serienreife voranzubringen?

Dr. Regina Otto: Das Bayerische Wirtschaftsministerium hat das Unternehmen Loremo seit mehr als fünf Jahren intensiv begleitet und immer alle Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung seitens Bayerns geprüft. Die Entscheidung über eine Förderung hängt von einer Reihe von Faktoren ab, wie zum Beispiel Produkt, Marktchancen, Finanzplanung und Finanzierungsmöglichkeiten des Vorhabens. Flotte SchüsselInsbesondere wird Wert darauf gelegt, dass die gesamte Umsetzungskette vom Prototyp bis hin zur Großserie in Bayern erfolgt. In dem konkreten Fall zeigt die intensive Betreuung des Unternehmens das Interesse Bayerns an neuen innovativen Firmen und Produkten. Bayern ist seit Jahren bemüht, Investoren ein Gesamtpaket aus einer Hand anzubieten. Diese Strategie zahlt sich aus: Seit 1999 wurden mit Hilfe von Invest in Bavaria circa 500 Unternehmen mit 20 000 Arbeitsplätzen angesiedelt, beziehungsweise bei der Erweiterung betreut. Auch dem Unternehmen Loremo wird das Bayerische Wirtschaftsministerium weitere Gespräche anbieten. Der Freistaat Bayern setzt sich selbstverständlich auch in Zukunft dafür ein, die Realisierung innovativer und zukunftsweisender Entwicklungen und Projekte im Rahmen der Fördermöglichkeiten und –voraussetzungen zu unterstützen.

Weitere Informationen: loremo.com


2007-07-01 Annegret Handel-Kempf
Text: © Annegret Handel-Kempf
Illu: ©aph Wirtschaftswetter
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