mit der Hundeexpertin Edith Anna Kirchberger aus Österreich
Die Fragen stellte Angelika Petrich-Hornetz
Wirtschaftswetter: Frau Kirchberger, früher schien das Stadtbild eher von kleinen Hunden wie Dackeln oder kleinen Pudeln geprägt zu sein. Heute sieht man dagegen immer mehr Golden Retriever und andere großen Rassen. Gibt es in den Städten einen Trend zum großen Hund?
Edith Kirchberger: Das würde ich nicht sagen, eher, dass es einige Moderassen gibt und sich die Menschen danach richten.
Wirtschaftswetter: Gelten Hunde einigen Haltern immer noch eher als Statussymbole?
Edith Kirchberger: Ja, ganz besonders bei Menschen mit geringem Selbstwertgefühl. Halbstarke und junge Menschen stehen leider im Vordergrund. Wie Hunde ticken und die Sprache der Hunde ist dabei Nebensache.
Wirtschaftswetter: Was müssen Stadtbewohner wissen, bevor sie sich für einen größeren Hund entscheiden?
Edith Kirchberger: Niemals sollte man sich vom äußeren Erscheinungsbild des Hundes leiten lassen. Vor allem sollte man sich fragen, wofür wurde diese Rasse gezüchtet? Können die Bedürfnisse einer bestimmten großen Hunderasse erfüllt werden? Passt der Hund wirklich zu mir?
Wirtschaftswetter: Alle Jahre wieder: Auch zum letzten Weihnachtsfest wurden wieder Welpen verschenkt.
Warum, meinen Sie, fehlt trotz aller regelmäßigen und rechtzeitigen Warnungen immer noch das Bewusstsein dafür, dass lebende Geschenke das Eingehen jahrelanger Verpflichtungen bedeuten?
Edith Kirchberger: Den Menschen wird es einfach zu leicht gemacht. Besonders Tiere, die nicht viel kosten werden leichtfertig entsorgt. Wenn Menschen sich ein Auto kaufen, müssen sie vorher einen Führerschein machen. Sinnvoll ist es, wenn vor der Anschaffung eines Hundes ein mindestens dreitägigen Kurs absolviert werden muss. Zeit ist manchmal kostbarer als Geld, so würden es sich viele vorher überlegen.
Wirtschaftswetter: Das Waren- und Dienstleistungssortiment für Hunde wird immer größer: Feinschmecker-Kost, Haute Couture, Hotels, Wellness, Urlaubsangebote, Betreuungspersonal und Trainings speziell für Hunde liegen im Trend. Was ist sinnvoll und was nicht?
Edith Kirchberger: Dass meiste ist Geschäftemacherei und der Leidtragende dabei ist der Hund. Noch nie gab es so viele Probleme mit Hunden, seit es Hundeschulen und Hundegesetze gibt.
Die Hunde haben sich nicht verändert, sondern die Menschen, weil sie der Natur in jeder Richtung ins Handwerk pfuschen. Selbst ein Laie kann jederzeit eine Hundeschule eröffnen oder sich als Hundeexperte oder Profi bezeichnen, dass ist weder in Deutschland noch in Österreich staatlich geregelt.
Animal Learn Hundetrainer kann ich dagegen zum Beispiel empfehlen. Hotels, die das Mitnehmen von Hunden erlauben, begrüße ich sehr. Auch muss es Hundepensionen oder zu betreuende Personen geben.
Wirtschaftswetter: Und was vermissen Sie als Expertin bis heute für Hunde?
Edith Kirchberger: ein wirklich fachkundiges Wissen, nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Jeder sollte wissen, dass Halsbänder Hunden Rückenprobleme verursachen. Besonders schlimm finde ich es, dass Zoofachhandlungen sogar verbotene Stachelhalsbänder verkaufen. Kettenhalsbänder und schmale Halsbänder sind zwar erlaubt, sollten aber aus jeden gutem Tierladen verbannt werden. Ebenso Halti und Co.
Wirtschaftswetter: Die Globalisierung hat auch die Hundezucht erreicht, auf zahlreichen Märkten werden
Hundewelpen häufig ungeklärter Herkunft verkauft. Tierschutzorganisationen warnen vor kranken und ungeimpften Tieren. Was möchten Sie den Lesern sagen, die sich vom Anblick feilgebotener Welpen erweichen lassen?
Edith Kirchberger: Dass so genannte Schnäppchen wird sich ganz schnell als Dauersparkasse entpuppen. Mit einem ewig kranken, schlecht sozialisierten Hund, hat keiner lange eine Freude. Bittere Kindertränen und traurige unverständliche Hundeaugen, sind das Ergebnis wenn der Weg ins Tierheim angesagt ist. Ganz abgesehen vom Ärger und die viele Zeit, die man investiert hat.
Wirtschaftswetter: Das Leben mit Hunden kann für kleine Kinder schöne und spannende Erfahrungen bieten,
gleichzeitig kommt es trotzdem immer wieder zu Beißattacken. Was können auf der einen Seite Hundebesitzer und auf der anderen Seite Eltern tun, damit es dazu gar nicht erst kommt?
Edith Kirchberger: Gut informiert ist halb gewonnen. Ich habe aus zu diesem Zweck eine CD herausgebracht: Damit Du Deinen Hund noch besser verstehst!
Wirtschaftswetter: Und was sollten Familien zu wissen, die gleichzeitig kleine Kinder und einen Hund haben?
Edith Kirchberger: Vor allem sollten sie die Beschwichtigungssignale der Hunde kennen. Als Zweitwichtigstes: Was Stress für Hunde bedeutet und deswegen sollten sie unbedingt eine Rückzugsmöglichkeit für den Hund schaffen.
Wirtschaftswetter: Der Lärm der modernen Zivilisation stresst nicht nur den Menschen, sondern auch vermehrt seinen Hund. Wie können Hundehalter zum Stressabbau beitragen?
Edith Kirchberger: Jede Form von Nasenarbeit, es ist ein natürliches Verhalten der Hunde, das sie auslastet, Freude und Spaß macht - zum Beispiel Leckerlis verstecken. Ruhige Spaziergänge möglichst ohne Leine baut auch Stress ab. Die Hunde einfach mal sein lassen und nicht pausenlos rufen. Aber auch Kauprodukte, mit denen sie sich in ihren Bereich zurückziehen können, sind günstig.
Wirtschaftswetter: Frau Kirchberger, was wünschen Sie Hund und Mensch fürs neue Jahr 2009?
Edith Kirchberger: Dass alteingesessene Trainingsmethoden endlich aufgegeben werden. Dass aufgehört wird, Hunde zu strafen, damit meine ich nicht nur Methoden wie Leinenruck, Zeitungsklaps, Wurfketten, Wasserpistole und Co, sondern auch, Hunde nicht anzuschreien. Es gibt Besseres und Wirksameres, vor allem bekommt man dann einen dauerhaft sicheren Hund. Ja ich wünsche mir, dass die Menschen offen sind für Neues.
Ganz besonders wünsche ich mir, dass ich die Gelegenheit bekomme, all das den Menschen näher bringen zu dürfen. Ich wünsche mir Kooperationspartner die mich unterstützen eine kostenlose 150 Seiten Hundezeitung herauszubringen, wo alles, was man über die Haltung eines Hundes wissen sollte, drinnen steht.
Weitere Informationen: www.hunde-kirchberger.at
2009-01-06 Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Fotos Themenbanner: ©Cornelia Schaible, Astrid Wehling
Foto: ©Astrid Wehling
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